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Die "feministische Linguistik" der Luise Pusch:

"Das Deutsche als Männersprache"

 

 

Werner Engelmann, 30.12.2021

 

 

 

 

 

 

Teil 1, Vorbemerkung

 

Werner Engelmann, Dezember 2021:

 

 

Die "feministische Linguistik" der Luise Pusch:

"Das Deutsche als Männersprache"

 

 

Vorbemerkung:

 

Luise Puschs Aufsatzsammlung "Das Deutsche als Männersprache"1 gilt quasi als eine Art "Bibel" für Gendern-Gläubige.

So etwa begeistert sich - nach 40 Jahren - der Promotor der Gendern-Bewegung, der Anglist und Linguist Anatol Stefanowitsch, über den "bahnbrechenden Aufsatz von Luise Pusch" 2.

Und der "Arbeitskreis Sprache des Kommunikationszentrums für Frauen zur Arbeits- und Lebenssituation" (Kofra) in München  jubelt, dass, "Göttin sei Dank (...) wir mindestens drei Linguistinnen (kennen), die seit Jahren und Jahrzehnten - in einer auch für LaiInnen verständlichen Sprache - für eine gerechte Sprache votieren". Und man nennt an erster Stelle "Dr.in Luise Pusch".3

 

Und, wie an vielen Beispielen zu zeigen ist, wird die Gendern-Gemeinde nicht müde, ihre Behauptungen pausenlos zu wiederholen - und mit Vorliebe die klischeehaftesten und am meisten verallgemeinernden.

 

Eine kritische Auseinandersetzung mit der Gendern-Bewegung ist folglich kaum möglich, ohne sich mit Luise Puschs Aufsatzsammlung zu befassen. Und es wird zu untersuchen sein, ob ihre Ausführungen nicht nur "verständlich" sind, sondern auch wissenschaftlichen Kriterien standhalten. Und darüber hinaus wird in weiteren Untersuchung zu zeigen sein 4, wie es mit der beschworenen "gerechten Sprache" tatsächlich bestellt ist.

 

Zu untersuchen, wie es - nach 40 Jahren - zu einem solchen Rückfall in Kulturkampfatmosphäre und Geschlechterkampf-Kategorien bei einem nicht unerheblichen Teil der deutschen "Intelligenz" kommen konnte (bzw. von Menschen, die sich ihr zugehörig glauben), das wäre eine sicher lohnende Aufgabe für eine umfassendere politische Analyse. In der genannten ideologiekritischen Untersuchung können dazu lediglich einige Eckpunkte benannt werden.

 

 

Doch  selbst bei der Beschränkung der Untersuchung auf die wichtigsten Aufsätze sind wir mit einem Problem konfrontiert: Denn streng genommen haben wir es mit zwei Luise Puschs zu tun: einer wild polemisierenden, verallgemeinernden "radikalfeministischen" Aktivistin einerseits, die keinen Exzess scheut, und einer durchaus ernst zu nehmenden Linguistin andererseits.

 

Nun scheint aber auch bei letzterer immer wieder die Aktivistin durch. Das heißt, dass es nicht ausreicht, die beiden Komplexe bloß zu trennen.

Gelegentlich wird es nötig sein, auch die seriösen linguistischen Untersuchungen von ihren eigenen vorgefassten Wertungen zu befreien, sie im gewissen Sinn "gegen den Strich" zu lesen. Denn eine ernsthafte Analyse muss sich hüten, die beim untersuchten Gegenstand erkannten Fehler selbst zu wiederholen. Sie hat sich methodisch streng an wissenschaftlichen Standards zu orientieren.


Um den Blick frei zu bekommen für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den diskutablen Befunden der "feministischen Linguistik", dazu wäre zunächst - das freilich in aller Klarheit und Schärfe - eine Kritik des ungezügelten Aktivismus vorzunehmen. Dies ist Gegenstand des ersten und zweiten Teils der Analyse.

Die Auseinandersetzung mit diskutablen Untersuchungen zur deutschen Sprache erfolgt im abschließenden dritten Teil.

 

Dazu aber kommt noch ein weiterer Aspekt: die Notwendigkeit einer klaren Definition, was unter "Feminismus" resp. "feministisch" eigentlich zu verstehen ist.

Und schon hier stößt man auf einen grundlegenden Fehler von Luise Pusch. Zwar befasst sie sich selbst im Kapitel "Feminismus und Frauenbewegung" 5 mit dieser Definition, allerdings nur  - soweit noch durchaus zu Recht -, um überkommene und in der Tat diskriminierende Definitionen abzuwehren.

 

Dass sie dabei höchst schlampig mit Geschichte umgeht, sei ihr verziehen. So, wenn sie behauptet:

"Zwar ging 1945 die Naziherrschaft zu Ende, nicht aber ihr massiver Antifeminismus. Der blieb uns erhalten bis heute." 6

Das ist natürlich Unsinn. Denn selbstverständlich hat es Antifeminismus - wenn auch nicht in der Begrifflichkeit - lange vor den Nazis gegeben. Und in dieser Geschichtsklitterung ist leicht der plumpe Versuch erkennbar, Kritiker - statt sie argumentativ zu widerlegen - mit Hilfe von Nazi-Assoziationen zu diskreditieren.

Eine, wie sich zeigen wird, durchaus charakteristische Vorgehensweise von Luise Pusch.

 

 

Wesentlicher aber erscheint eine Analyse der Definition von "Feminismus", die sie selbst vornimmt, sowie von deren Implikationen. Diese ist extrem kurz und knapp:

 "Feminismus ist die Theorie der Frauenbewegung." 7

Dazu unterscheidet sie zwischen der "älteren" oder "ersten Frauenbewegung" von 1848 bis 1933 und der "Neuen Frauenbewegung" (von ihr ´zeitlich nicht präzisiert) in der Folge der 68er-Bewegung. Der Schwerpunkt der ersten habe "im Praktischen, vor allem in der Organisation" gelegen. Demgegenüber sei "Theoriebildung" das "Spezifikum der Neuen Frauenbewegung". 8

 

Auf diese Weise wird, was sie als "den Feminismus" oder "die neue Frauenbewegung" in Deutschland versteht, bereits per definitionem und a priori als "legitime" Erbin und Fortsetzung der älteren Frauenbewegung inthronisiert: Eine definitorische Selbstermächtigung und ein Blankoscheck für alles, was immer unter diesem Label kommen mag - und sei es noch so kindisch.

 

Nur auf den ersten Blick aber ist dies eine "geniale" Form der Selbstlegitimation.

Wer Geschichte kennt, dem fallen da nämlich Analogien (in der Methodik, freilich nicht inhaltlicher Art) zu einer anderen historischen "Bewegung" ein, die auch per se "Wissenschaftlichkeit", "Parteilichkeit" und "Recht" für sich beanspruchte: Analogien zum "wissenschaftlichen Sozialismus" im DDR-Format.

Und dieser popularisierte seinen dogmatischen Anspruch mit Hilfe von Propagandaliedern der Art:

"Die Partei, die Partei, die hat immer Recht", und "begründete" den wie folgt: "Denn wer kämpft für das Recht, der hat immer Recht, gegen Lüge und Ausbeuterei."

Bliebe also nur noch die nicht schwer zu erledigende Aufgabe, Beispiele zu finden für "Lüge" und "Ausbeuterei" der Gegenseite.

Und während den einen zu diesem Zweck der "ausbeuterische Kapitalismus" als Feindbild dient, finden Luise Pusch und die ihr Nacheifernden ihr Feindbild in der "deutschen Herrensprache".

 

 

Dies als Beispiel zur Veranschaulichung, in welche ideologischen Rechtfertigungszwänge man käme, ließe man sich auf eine derart definitorisch präformierte (und deformierte) Debatte ein.

Das aber kann ebenso wenig Zweck einer kritischen und konstruktiven Analyse sein wie eine - auch ungewollte - Diskreditierung der älteren Frauenbewegung oder auch des neueren Feminismus. Denn beide haben unbestreitbare Verdienste.

 

Um also solche Diskreditierung zu vermeiden, sei im Folgenden der Begriff "Feminismus" als neutrale Bezeichnung für beide Formen der Frauenbewegung verwendet. Insofern ist Luise Pusch noch zu folgen.

Deutliche Unterschiede ergeben sich allerdings bei der Bewertung der von ihr genannten Beispiele des deutschen "Feminismus", der (zumindest in der hier zu diskutierenden Spielart) unkritisch den Exzessen US-amerikanischer Vorbilder folgt und dementsprechend reichlich lächerliche sprachliche Produkte hervorbringt.

Der Anspruch eines solchen "Feminismus" als naturgemäße Weiterentwicklung und legitime Nachfolge der älteren Frauenbewegung wird hier entschieden bestritten.

Dies ist Gegenstand des zweiten Teils der Analyse.

 

Zur Unterscheidung von dem historisch verdienstvollen Feminismus wird letztere (hier zu diskutierende) Spielart des "Feminismus" in Deutschland, der sich durch seinen bloßen Anspruch definiert, im Folgenden in Anführungszeichen gesetzt.

 

                                                                         

 

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Anmerkungen:

 

1  Luise F. Pusch, Das Deutsche als Männersprache, Suhrkamp Frankfurt/M. 1991 (22017)

 

2             https://www.tagesspiegel.de/wissen/warum-sprachwandel-notwendig-ist-der-professor-die-professor-das-professor/26155414.html, 3.9.2020

 

3             https://www.sueddeutsche.de/kolumne/gerechte-sprache-wir-gendern-nicht-zum-spass-1.3424324

 

4          Identitäre Ideologie und "Sichtbarkeit" in der Gendern-Bewegung -Ideologiekritische politische Analyse

 

Das Deutsche als Männersprache, S. 129-134                                     

 

6  Ebd., S. 131

 

7  Ebd., S. 134

 

8  Ebd.

 

 

 

 

 

 

Teil 2:

 

 

 

I. Luise Pusch und die viel zu großen Schuhe des Karl Marx -

 

zu Methodik und Wissenschaftverständnis der "feministischen Linguistik"

 

 

 

"Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert. Es kömmt darauf an, sie zu verändern." 1

So lautet die 11. Feuerbachthese von Karl Marx.

Sie wurde oft in der Weise fehlinterpretiert, dass Marx vermeintlich die gesamte Philosophie vor ihm ablehne. Dabei wird freilich das kleine, aber entscheidende Wörtchen "nur" übersehen. Keineswegs verurteilt Marx philosophische Ansätze vor ihm in Bausch und Bogen. Vielmehr wirft er ihnen vor, bei der bloßen Interpretation stehen zu bleiben und die daraus folgenden Konsequenzen nicht zu ziehen.

 

Sein eigener Anspruch ist freilich gewaltig, wenn er einen Hegel, der nicht weniger als den Schlüssel der gesetzmäßigen dialektischen Fortentwicklung der Welt gefunden zu haben meint,

im Sinne des dialektischen Materialismus "umstülpt" 2, ihn "vom Kopf auf die Füße stellt".

Diesem Anspruch wird Karl Marx insofern gerecht, als er, besonders in seinem Hauptwerk,

"Das Kapital", sich äußerst streng an eine wissenschaftliche Untersuchungsmethode hält.

Selbst, wenn er sich, z.B. bei der Beschreibung des Kapitalisten als "personifiziertes Kapital" 3,  einer verkürzenden Begrifflichkeit bedient, bleibt seine Analyse ausschließlich nüchtern und sachlich.

 

 

Luise Pusch gilt mit ihrer Aufsatzsammlung "Das Deutsche als Männersprache" nicht nur als Mitbegründerin der "feministischen Linguistik", sie wird auch als Mentorin der Gendern-Bewegung gefeiert. Und so meint sie denn auch, in die Fußstapfen des großen Revolutionärs Karl Marx treten zu können.

So, wenn sie - äußerlich in ähnlicher Weise - mit der Linguistik vor ihr ins Gericht geht:

"Die herkömmliche Linguistik kritisiert Sprache nicht, sondern sie beschreibt sie. (...) Sprache ist aber kein Natur-, sondern ein historisch-gesellschaftliches Phänomen und als solches auch kritisier- und veränderbar. Nach Auffassung von Feministinnen nicht nur kritisierbar, sondern extrem kritikbedürftig - und reformbedürftig. Es bedurfte wohl radikalfeministischer Verve, Unbekümmertheit  Subjektivität und Parteilichkeit, um zu dieser Auffassung über Sprache zu kommen." 4

 

Korrekt ist zwar noch der Versuch von Luise Pusch - scheinbar wie Karl Marx - sich von bestimmenden linguistischen Prinzipien und Methoden abzugrenzen. Das ist ihr gutes Recht.

Bei genauerem Hinsehen zeigen sich aber fundamentale Unterschiede, welche eine Luise Pusch in ihrer pseudo-revolutionären Hybris in den viel zu großen Schuhen des großen Revolutionärs geradezu verschwinden lassen:

 

Zunächst ist schon die platte antagonistische Gegenüberstellung von "Natur- und historisch-gesellschaftlichen Phänomen" unhaltbar. Auch Marx hatte die letzteren zum Gegenstand der Analyse, was seiner unbestechlichen Sachlichkeit und seiner dialektischen analytischen Methode aber keineswegs entgegenstand, diese vielmehr im Gegenteil erforderte.

 

 

Doch wichtiger erscheint folgende fundamentale Fehleinschätzung von Luise Pusch:

Wohl gehört es zu den Grundsätzen moderner strukturaler Linguistik, den Gegenstand der Untersuchung,  hier "die deutsche Sprache", sachlich zu beschreiben und sich subjektivistischer Wertung zu enthalten. Doch ist dies nicht - wie sie meint - Selbstzweck, sondern notwendige Voraussetzung, um innere Strukturen erkennen zu können. Es gehört zu den fundamentalen Prinzipien wissenschaftlichen Arbeitens überhaupt.

 

Ihr Aufruf zum Kampf gegen "die deutsche Sprache" richtet sich zugleich gegen die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens und Denkens: Vorweg eingenommene "Parteilichkeit" tritt an die Stelle der Bemühung um Objektivität, "radikalfeministische Verve" an die Stelle kühler, rationaler Überlegung: Subjektivistische Willkür ersetzt sachlich-abwägendes Denken.

 

 

Dieses verfehlte Wissenschaftsverständnis der Autorin erhält dazu noch einen nahezu grotesken Beigeschmack durch die dadurch bedingten methodischen Fehlleistungen:

Schon bei der Analyse von Marc Twains "schrecklicher deutscher Sprache" wurde auf das von diesem verwendete Mittel der Personifikation der Sprache hingewiesen. Beispiele bürokratischer Sprechweisen von Personen mit meist geringer Sprachkompetenz, denen es vorrangig um eigene Profilierung geht, werden von ihm auf "die deutsche Sprache" als System projiziert. Eitelkeiten und Widersprüche lebender Personen werden so zu vermeintlichen Merkmalen des ominösen und "schrecklichen" Wesens "deutsche Sprache".

Das mag bei einem Schriftsteller mit literarischen statt wissenschaftlichen Ambitionen noch angehen. Personifikation von Gegenständen oder Sachverhalten ist ein literarisches Stilmittel, das die Leser emotional ansprechen, sie selbst als Person in die Vorstellungswelt des Schriftstellers einbeziehen will.

 

Mit Hilfe eines solchen literarischen Stilmittels, das auf Fiktion und Emotion setzt, aber eine vermeintlich neue "wissenschaftliche" Disziplin, die "feministische Linguistik" etablieren zu wollen, das gerät aus wissenschaftlicher Sicht geradezu zum Desaster.

 

So führt denn auch in der Folge ein hemmungsloser Eklektizismus, als "pluralistischer Ansatz" 5 verbrämt, zu einer nicht hinterfragten Vermengung unterschiedlichster Methoden und Disziplinen.

Deutlich wird dies, wenn das personifizierte Wesen "deutsche Sprache", das zuvor schon zwecks Anklage vor den Richterstuhl der Autorin gezerrt wurde, danach auch noch auf der Couch der "Therapeutin" Pusch landet.

Und so lautet der Untertitel zum grundlegenden Aufsatz "Das Deutsche als Männersprache" in dieser gleichnamigen Sammlung: "Diagnose und Therapievorschläge" 6.

 

 

Es erscheint müßig, auf die Fülle von Ungereimtheiten und Exzessen eingehen zu wollen, die sich hier tummeln und selbst einem wissentlich verfassten Pamphlet zur Ehre gereichen würden. Es seien daher im Folgenden nur einige Beispiele aufgeführt.

 

Bezogen auf den oben genannten Eklektizismus sei darauf verwiesen, dass die Autorin es sogar für überflüssig hält, ihren Untersuchungsgegenstand exakter zu bestimmen und abzugrenzen.

So vermengen sich denn auch pausenlos Analysen von einzelnen Sprechakten oder erfundenen Textbeispielen mit pauschalisierenden Aussagen über "die deutsche Sprache" als Sprachsystem - für Luise Pusch Verkörperung einer "Herrensprache" in einer "Herrenkultur", die nichts weniger beabsichtigt als "die sprachliche Vernichtung der Frau" 7.

 

 

 

Im Aufsatz "Von Menschen und Frauen" 8 geht sie von einem dummen Spruch des Kanzlers Helmut Kohl unvermittelt zum Alten Testament der Bibel, Genesis 2, Vers 22 über: "Und Gott der Herr baute ein Weib aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm."

Und der Zweck der ganzen Übung erschließt sich dann in der "logischen" Folgerung im Schlusssatz des Kapitels: "Und weil das alles möglich, üblich und rechtens ist in unserer Sprache, sagen wir Frauen nein zu dieser Sprache."

 

Das hat nun mit "Linguistik" ebenso wenig zu tun wie mit einem einigermaßen seriösen Geschichtsverständnis. Bekanntlich wurde das Alte Testament der Bibel und der Schöpfungsbericht, nicht in  "unserer Sprache", sondern auf Hebräisch verfasst, und zwar Jahrtausende, bevor "unsere Sprache" überhaupt existierte. Sie dafür verantwortlich zu machen, dass "das alles möglich, üblich und rechtens ist" erscheint demnach nicht gerade als Nachweis besonderer logischer Fähigkeiten.

Offenbar lassen sich aber Menschen, die  sich einmal von Furor haben ergreifen lassen, von solchen "Feinheiten" recht wenig stören.

 

 

An dem Beispiel wird deutlich, wie aus einem Gemengelage aus Teilwahrheiten und Fantasie eine eigene "Wirklichkeit" konstituiert wird, die dann als seriöse Beschreibung "der Wirklichkeit" verkauft wird.

So etwa nimmt Luise Pusch sich im Teil "Sie sahen zu ihm auf wie zu einem Gott" - Das DUDEN-Bedeutungswörterbuch als Trivialroman" vor, durch Verfremdung die Voreingenommenheit der Autoren zu entlarven. 9 Was durchaus angemessen sein kann und zunächst auch gelingt.

Zusammenhanglose Beispielsätze ohne Kontext werden zu einem Familienroman mit höchst unterschiedlichen Charakteren verquickt und zu einem "Sittengemälde" ausgeweitet, bei dem ein "abartiger Mensch", "Erzschurke" und "mieser Verbrecher" einem "Er" mit "innerem Adel" gegenüber steht und das  zielsicher zu dem nun schon bekannten Credo führt: "Der Mann leistet da Seine nach Maßgabe seiner Kräfte, seien sie nun gottähnlich, durchschnittlich oder kriminell. Die Frau leistet das Ihre nach ihren Kräften, und da sie bekanntlich keine besonderen Kräfte besitzt, leistet Christinchen auch nichts Besonderes." 10

Kurz: "Sie vermitteln einen tiefen, unvergesslichen Einblick in die Seele des Deutschen" worunter sie unter anderem aufführt: "MIEF", "MÄNNLICHKEITSWAHN", und "vor allem (...) geradezu abgründige FRAUENVERACHTUNG".  11 - Quod erat demonstrandum.

 

Nun könnte man über solch überbordende Fantasie in einer gelungenen Glosse sogar schmunzeln.

Und zweifellos erscheint eine so verpackte Kritik in mancher Hinsicht auch angebracht.

Nur ist das für Luise Pusch keine Glosse. Sie ordnet dies als "Aufsatz" unter linguistische Analysen ein. Und der Bierernst, mit dem das eigene Lebensgefühl beschrieben und in ein Wörterbuch hinein interpretiert wird, ist alles andere als erheiternd.

 

 

Erheiternd sind auch nicht die Geschmacklosigkeiten, vor denen die Autorin nicht zurückschreckt, wenn es darum geht, einem ihr verhassten Fachkollegen eins auszuwischen, indem sie ihn ironisierend zum Gegenstand einer linguistischen Analyse macht:

"Herr Kalverkämper ist eine wissenschaftliche Leuchte, über deren Ausführungen sich ihre Kolleginnen und Kollegen ziemlich gewundert haben." 12

Solche "Sensibilität" der Autorin sei zur gefälligen Beachtung den Bewunderern dieser Kronzeugin des Genderns empfohlen, welche nicht müde werden, mit der - sicher richtigen - Forderung nach "gendersensiblem Sprechen" radikal-sprachliches Revoluzzertum zu rechtfertigen.

 

Hier wird als Motivlage Rache an einem ihr verhassten Fachkollegen erkennbar, und darüber hinaus an verkrusteten "patriarchalen" Verhältnissen, konkret an der Universität Konstanz. Inwieweit dies berechtigt erscheint, sollte hier allerdings nicht zur Debatte stehen.

Zwei Hinweise mögen genügen, um die völlige Unangemessenheit ihres Vorgehens deutlich zu machen.

 

Zunächst straft sich die Autorin bei ihren vielfach hasserfüllten Ausfällen gegen die "Männerwelt" selbst Lügen.

So, wenn sie "Das Deutsche als Männersprache", den wichtigsten Beitrag ihrer Aufsatzsammlung, mit einem langen Zitat aus einer Anfrage eines Institutsleiters beginnt, der sich mit der Bitte um "einige Auskünfte aus weiblicher Sicht" an sie wandte.

Ein Schreiben, das folgende selbstkritische Reflexion enthält: "Als Mann bin ich für derartige Einstellungen nicht hinreichend sensibilisiert."

Ein Hinweis also, dass große Aufgeschlossenheit und Bereitschaft zu offener Diskussion über weibliche Belange - und das noch "von einem Mann" - schon zu dieser Zeit und auch gegenüber der Autorin existierten. Was einer Luise Pusch aber lediglich einen - eher hochnäsigen - Kommentar wert ist: "Ein wahrhaft bemerkenswerter Satz!" 13

 

Immerhin bewirkte dieses Schreiben den wohl einzig diskutablen Teil dieser Aufsatzsammlung.

Wegen seiner Bedeutung aufgrund des darin enthaltenen konkreten Vorschlags für eine sachliche und konstruktive Diskussion sei aber die inhaltliche Auseinandersetzung damit auf den 3. Teil dieser Analyse verschoben.

 

 

Zum zweiten sei an dieser Stelle eine persönliche Anmerkung erlaubt:

Der Verfasser dieser Analyse gehört selbst dem exakt gleichen Jahrgang an wie Luise Pusch.

Die eigene Sozialisation wie auch die berufliche Erfahrung erfolgte in einer überwiegend weiblich geprägten Umwelt. Und auch die Erfahrungen mit intellektuellen Kreisen sind weitgehend mit denen von Luise Pusch vergleichbar.

In keiner Weise aber kann die von Luise Pusch bis zum Exzess betriebene Aufspaltung der Realität in eine "Männerwelt" und eine "Frauenwelt" - angeblich sprachlich bedingt - bestätigt werden. Eigene Erfahrungen im Berliner, französischen, luxemburgischen und europäischen Schulsystem sowie mit Vertretern aller EU-Nationen im Rahmen von Sprachunterricht bei verschiedenen EU-Institutionen widersprechen - von wenigen Ausnahmen abgesehen - ganz entschieden ihren Pauschalurteilen.

In Kollegenkreisen waren, wie oben an einem Beispiel aufgezeigt, Respekt und Aufgeschlossenheit für weibliche Bedingungen und konkrete Lösungsansätze eher die Regel.

Auch hatte die Problematik von "Frauensprache und Männersprache" schon Ende der 70er Jahre Eingang in Unterrichtsmaterialien gefunden. Und im gymnasialen Unterricht des Verfassers dieser Analyse fand dies - neben soziologischen und linguistischen Aspekten der schichtenspezifischen Sprachforschung, der Psycholinguistik und insbesondere der Herausbildung und dialektischen Beziehung von Denken und Sprechen - regelmäßig Berücksichtigung.

 

So zeugt es von fundamentaler Unkenntnis der realen Bedingungen im föderalen deutschen Schulsystem, wenn Luise Pusch pauschal behauptet:

"Daß unsere Schulbücher heute patriarchalisch geprägt sind, ist seit langem bekannt und wissenschaftlich belegt - eine der wissenschaftlichen Leistungen der Frauenbewegung. Eine Entpatrifizierung ist jedoch nicht in Sicht und von den Herren in den Kultusministerien auch nicht zu erwarten, so wenig wie zu erwarten war, daß sich das Naziregime etwa selbst entnazifiziert hätte." 14

 

 

Zeigt sich hier im (wiederholt bemühten) Nazivergleich eine sehr problematische Einstellung zu demokratischen Prozessen, die mit elitärer Selbsternennung zur "Avantgarde" der Gesellschaft einher geht, so verweist der (im nächsten Teil zu untersuchende) Begriff "Entpatrifizierung" auf ein weiteres entscheidendes Problem:

Wie eine Gesellschaft - oder hier eine Sprache - beschrieben bzw. "analysiert" wird, hängt nicht nur von deren So-Sein, sondern in hohem Maße auch von subjektiven Wahrnehmungen des Betrachters oder Analytikers, auch von dessen Voreinstellungen oder Vor-Urteilen ab.

Diese Problematik, insbesondere das unbewusste Einfließen von Vorurteilen in den Prozess der Interpretation ("hermeneutischer Zirkel") ist in der Hermeneutik eines Hans-Georg Gadamer, insbesondere seinem Hauptwerk "Wahrheit und Methode" 15 - einem Standardwerk für jeden Sprach- und Literaturwissenschaftler - ausführlich behandelt.

 

 

Die Voreingenommenheit der Luise Pusch gegenüber der "Männerwelt", und daraus abgeleitet gegenüber der "deutschen Sprache", ist nahezu auf jeder Seite greifbar.

Und bereits in der Einleitung gibt sie selbst die - biografisch motivierte - Erklärung dazu:

"Meine - wie ich jetzt finde, reichlich späte - Bekehrung von der Sympathisantin zur Aktiven gelang schließlich einem Kollegen namens Kalverkämper." 16

Und später fügt sie dem hinzu:

"Ich selbst habe die Sprache des Patriarchats sehr lange als 'meine eigene' anerkannt und verteidigt. (...) Inzwischen bin ich gründlich eines Besseren belehrt worden. Das verdanke ich nicht nur diesen Frauen, sondern auch den Überreaktionen einiger Männer." 17

 

Nun ist ja das Phänomen plötzlicher "Erleuchtung" insbesondere aus dem Sektenwesen hinlänglich bekannt. Und man wird Luise Pusch - bei ihrer Vorliebe zu religiösen Mythen -  sicher nicht Unrecht tun, in dem von ihr selbst verwandten Begriff "Bekehrung" eine gezielte Analogie zum Apostel Paulus zu vermuten und im beschriebenen Vorgang selbst eine plötzliche Wandlung vom ungläubigen "Saulus" zur gläubigen "Paula".

Dabei bliebe freilich das Problem der Bewertung und die Frage, ob dies, dem christlichen Mythos entsprechend, nicht eher als fatale "Wandlung" in gerade entgegengesetzter Richtung gedeutet werden müsste.

 

 

Was inhaltliche wie sprachliche Exzesse bei Luise Pusch betrifft, ist die Zahl der zu nennenden Beispiele geradezu erdrückend.

Schon in der Einleitung wird so ein Tenor angeschlagen, dass kaum eine Hyperbel oder emotionsgeladene Ausdrucksweise ausreichend erscheint, um ihrem "feministischen" Furor angemessen Ausdruck zu verleihen. 

 

So etwa führt schon ein triviales Beispiel zu äußerst weitreichenden Konsequenzen:

"Wenn Ute Schülerin ist und Uwe Schüler, dann sind Ute und Uwe Schüler, nicht Schülerinnen."

 

Das mag, nach gängigem Sprachgebrauch, soweit korrekt sein.

Entscheidend aber sind die Folgen aus ihrer Begründung, welche - nach dem Prinzip der Personifikation - menschliches Handeln auf das System Sprache selbst projiziert. Und zu dem Zweck mutiert die "Linguistin" kurzerhand zur Hobby-Psychologin: "...denn Uwe verträgt das Femininum nicht."

Und aus der Uwe mittels Fernanalyse unterstellten "Allergie" gegen Weiblichkeit und der auf dem Fuße folgenden Verallgemeinerung entspringt die große "revolutionäre" Tat der Luise Pusch:

 

 

Denn da "bereits ein Knabe mittels seiner Allergie beliebig viele Mädchen sprachlich ausschalten kann", hat sie eine "Großaktion 'Rettet das Femininum' gestartet", welche "eine gezielte Allergie gegen das Maskulinum" befördern soll.

Wer sich aber über solcher Art "Logik" wundert, dem soll ein weiteres literarisches Stilmittel, die negativ verwendete Hyperbel, auf die Sprünge helfen: "Ein Wunder, daß wir überhaupt noch hin und wieder einem Femininum begegnen." 18

 

Einer solchen kruden "Logik" bedarf es freilich, um die pauschale Behauptung aufstellen zu können, die durch alle Rechtfertigungen für "Gendern" geistert: Die Behauptung, dass Frauen sich generell in deutschen Texten gar "nicht gemeint fühlen" können: Die "schreckliche" deutsche "Herrensprache" lässt das einfach nicht zu.

 

 

Wie ungerecht "die deutsche Sprache" mit Frauen umgeht, wird mit Vorliebe an einem Beispiel von geradezu umwerfender praktischer Relevanz exemplifiziert, das bei keinem der Vorträge von Luise Pusch fehlen darf und von ihrer Fan-Gemeinde wieder und wieder kolportiert wird.

 

So etwa von der Journalistin Antje Schrupp, die sich über die "männerzentrierte Gesellschaft" empört, in der es "logisch" sei, "dass eine Gruppe von neunundneunzig Sängerinnen und einem Sänger sprachlich korrekt zu einer Gruppe von „Sängern“ wird." 19

Merkwürdig nur, dass weder Frau Pusch noch Frau Schrupp noch einer ihrer Fans auf die Frage einzugehen gedenkt, wie vielen solchen Frauen-Chören sie denn begegnet sind, denen diese himmelschreiende Ungerechtigkeit einer Zwangs-Maskulinisierung widerfahren ist.

 

Behauptungen auf ihren Realitätsgehalt und ihre praktische Relevanz zu überprüfen gehört erkennbar nicht zu den Angewohnheiten von gläubigen "Aktivistinnen" und "Aktivisten".

 

Es ist solche "Viktimisierung" der Frau welche die französische Philosophin und Feministin Élisabeth Badinter als Rückfall und Verirrung im Denken des "Feminismus" US-amerikanischer Provenienz ausmacht und scharf kritisiert. 20

Offensichtlich trifft sie damit auch einen nicht unerheblichen Teil des deutschen "Feminismus" - nicht nur weiblichen Geschlechts, der sich unkritisch an solchem rückwärtsgewandten "Feminismus" orientiert und ihn übernimmt.

 

 

 

Hier liegt der Ursprung für das vermeintliche "Recht auf Sichtbarkeit", das später einer ihrer "Bewunderer", der Linguist und Anglist Anatol Stefanowitsch, aus dem Hut zaubert und das in der Folge zum Mantra der Gendern-Bewegung avanciert. 21

Wie entlarvend und zugleich folgenreich diese Selbsternennung des heutigen Antreibers der Gendern-Bewegung zum Gesetzgeber ist, das wird in späteren Analysen aufgezeigt. 22 Hier sei nur erwähnt, dass solche Hybris als selbsternannte "Avantgarde", elitärer Geist und messianischer Impetus neben Luise Pusch auch die ihr nachfolgenden Gendern-Ideologen kennzeichnen.

 

Fällt an dieser Stelle bereits auf, mit welcher Willkür Luise Pusch Textlinguistik, Systemlinguistik und pseudopsychologische Generalisierungen vermengt, so hält die Autorin in der Folge noch eine deutliche Steigerung parat:

Denn um dies zu "begründen", reicht selbst die Behauptung von der perfiden Absicht einer "sprachlichen Vernichtung der Frau" durch die deutsche Sprache nicht mehr aus. Dazu bedarf es schon eines Ausflugs in Kriminologie und Völkerrecht:

"...da ihr ("frau") dies Ausgeschlossensein in der Praxis keineswegs nützt, wird sie auch derartige Fälle als Symptome des generellen 'geistigen Gynocids' deuten müssen".

Im Klartext: Sprecher der deutschen Sprache gehören vor das Tribunal des Internationalen Strafgerichtshofs, und zwar egal, wie viele "eindeutig emanzipatorische Absichten" sie verfolgen.

Denn, so der Urteilsspruch von Luise Pusch: "Aber den besagten Gynocid begehen sie alle".23

Hat man sich erst einmal auf diesen von der Autorin beschworenen Weg "radikalfeministischer Verve" begeben hat, dann gibt es offenbar für Exzesse jeglicher Art keine Grenzen mehr.

 

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Anmerkungen:

 

  1             Karl Marx: Thesen über Feuerbach. [Nach dem mit dem Marxschen Manuskript von 1845 verglichenen Text der Ausgabe von 1888] In: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Schriften in zwei Bänden.

Band     2, Berlin 1955.

 

 2         Karl Marx: Das Kapital. Bd. I, in: MEW 23, S. 27

  

  3             Ebd., S.247 u.a.

    

  4             Das Deutsche als Männersprache, S. 16

  

  5             Ebd., S. 31

  

  6             Ebd., S. 46

    

 7              Ebd., S. 9 und 11

  

  8             Ebd., S. 15-19

  

  9             Ebd., S. 135-144

 

10             Ebd., S. 139

 

11             Ebd,. S. 144

 

12             Ebd., S. 36

 

13             Ebd., S. 47

 

14             Ebd., S. 82

 

15            Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik. 4. Auflage. J.C.B. Mohr (Paul  Siebeck), Tübingen 1975

 

16           Das Deutsche als Männersprache, S. 11 f.

 

17            Ebd., S. 84

 

18            Ebd., S. 11

 

19         https://www.indeon.de/gesellschaft/pro-con-gendersprache, 26.10.2020

 

20         Fausse Route, deutscher Titel: Die Wiederentdeckung der Gleichheit. Schwache Frauen, gefährliche Männer und andere feministische Irrtümer, 2004

 

21         Stefanowitsch, https://www.tagesspiegel.de/wissen/warum-sprachwandel-notwendig-ist-der-professor-die-professor-das-professor/26155414.html

 

22         Identitäre Ideologie und "Sichtbarkeit" in der Gendern-Bewegung -Ideologiekritische politische Analyse, insbesondere Teil I, 3

 

23          Ebd., S. 30

              Der aus dem Englischen übernommene Begriff "Gynocid" wird bei "Wiktionary" wie folgt definiert:

         "The killing of women and girls, especially considered as a social phenomenon."

         Im Deutschen wird meist der (auch aus dem Englischen übernommene Begriff "Femizid" gebraucht.

 

 

 

 

 

Teil 3:

 

 

II. "Feministische" Utopien und das Problem mit der Realität

 


Wer kennt nicht den utopischen Roman "1984" von George Orwell?
Hat der Renaissance-Autor Thomas Morus mit seinem Roman "Utopia" erst den Begriff der "Utopie"
im positiven Sinn geprägt, so verkörpert der Roman "1984" den der negativen Utopie.
Die in ihrer Menschenverachtung alle Lebensbereiche umfassenden totalitären Systeme des
Faschismus und des Stalinismus hat George Orwell erst begreifbar gemacht, indem er diese auf eine
fiktionale, menschlich nachvollziehbare Ebene der negativen Utopie transponierte.


Doch durch den utopischen Entwurf des "Neusprech" hat der Roman auch in Hinsicht auf
Sprachkritik überragende Bedeutung. In der Vorstellung des "Doppeldenk" eilte er sogar der Realität
um viele Jahrzehnte voraus. Und nach der grotesken Verbrämung fortlaufender Lügen eines Donald
Trump als "alternative Wahrheiten" hat der Roman neue Aktualität gewonnen.


In eine solche Reihe wäre auch der von Luise Pusch hochgelobte Roman "Die Töchter Egalias" der
norwegischen Autorin Gerd Brandenberg einzuordnen.1 Wobei freilich noch zu diskutieren wäre, ob
er als positive oder negative Utopie anzusehen ist.
Für Luise Pusch ist der Roman eindeutig positiv, auf eine recht bedenkliche Art.


Denn der Roman stellt eine scharfe, für sie auch "scharfsinnige Satire auf das Patriarchat" 2 dar.
So stellt Luise Pusch in dem 1981 geschriebenen Aufsatz "Eine männliche Seefrau" fest.
Dabei entwirft die Autorin Gerd Brandenburg eine radikale "feministische" Gegenwelt, in der die
"Machtverhältnisse" auf den Kopf gestellt werden, in der alles und jedes "feminisiert" ist:
Da "gebären zwar immer noch die Frauen die Kinder, aber die Männer bekommen sie - zur Pflege
und Aufzucht."
3
Frauen vergewaltigen die Männer, denn die "Herrschenden" sind den "Frauschenden" gewichen, sie
"erweiben" sich, statt sich zu "ermannen". Statt "patriotisch" denken sie "matriotisch", sie
unterwerfen sich, statt sich als "Mensch" zu fühlen, einer "Wibsche" und fürchten sich vor "Luzia"
statt vor dem "Teufel". 4 Kurz: Eine Welt, in der das Herz einer Luise Pusch geradezu aufblüht:
"In Egalia ist die Frau die Norm und der Mann die Abweichung, der Abhängige - politisch, sozial
und, folgerichtig, auch sprachlich."
5


Nun bleibt ihr solche Begeisterung ja unbenommen. Handelt es sich doch um einen Roman, dem
jegliche künstlerische Freiheit zugestanden werden soll. Und Utopie - sei es positiv oder negativ - ist
durchaus ein hilfreiches Mittel, um den Blick auf die eigene Gegenwart zu schärfen.
So unterscheidet denn auch Luise Pusch - zunächst - zwischen Fiktion und Realität:
"Es ist jedoch nicht diejenige 'Frauensprache', die wir suchen und gerne haben wollen, eine Sprache
also, in der sich Frauen 'einfach nur' als eigenständige Subjekte, kurz: als Menschen artikulieren
(können)."
6


Dann aber wird ihr eigener Geschmack zum Maßstab für andere. Zum "Feind" wird, wer diese
Nagelprobe nicht besteht und nicht in ihrem Sinne deutet, was darunter zu verstehen ist, sich "als
Menschen (zu) artikulieren"
. Und mit wildem Furor reagiert sie auf die Bemerkung von zwei "guten
Freunden"
nach der Lektüre dieses Romans, "die Sprache sei ihnen zu penetrant":
"Penetrant, in der Tat - ist für uns Frauen diese Männersprache, und überhaupt alles." 7


12
Wie schnell für "radikalfeministische Verve" Fiktion zu Realität und Realität zu Fiktion wird, das wird
in dem 1983, also 2 Jahre später geschriebenen Aufsatz deutlich: "Frauen entpatrifizieren die Sprache
- Feminisierungstendenzen im heutigen Deutsch".

Was 1981 noch bloße Fiktion war, von der sie sich vorsichtig distanzierte, das ist für Luise Pusch
zwei Jahre später bereits zum Mantra für die Schaffung eines nicht weniger radikalen "feministischen
Neusprech" geworden.


Zu diesem Zweck definiert sie - in Erinnerung an die ehemalige Linguistin - eine ominöse
"Kongruenzregel" (Hervorhebung von Luise Pusch):
"Immer zahlreicher werden die Beispiele, in denen Frauen, wenn sie über sich selbst und andere
Frauen sprechen, die Radikalversion der feministischen Kongruenzregel anwenden. Sie lautet:
Verwandle alle maskulinen Personenbezeichnungen in feminine, sofern sie sich in irgendeiner Form
auf Frauen beziehen."

Und als Beispiele gibt sie an, dass so schreckliche Wörter wie "freundlich", "Freundschaft" oder "sich
anfreunden"
definitiv aus dem deutschen Wortschatz zu eliminieren seien. Die "feministische
Heilsbotschaft" wird allein mit Begriffen wie "freundinlich", "Freundinnenschaft" oder "sich
anfreundinnen"
verkündet. 8


Schon davor (1979) hat sie freilich, bezogen auf den angelsächsischen Sprachbereich, der völligen
Eliminierung der Männlichkeit aus der Geschichte das Wort geredet und der Umwandlung von
"History" zu "Herstory" beste Chancen eingeräumt. 9
So wundert es auch nicht, dass sie nun begeistert die Welle des "entpatrifizierten" Neusprech begrüßt,
die sich in Frauenzeitschriften wie "Emma" oder "Courage" in der Nach-68er-Zeit austobt: Die
"Helferinnenrolle" ist abgelegt: Nun wird "heldinnenhaft", in "Siegerinnenpose" 10 die frohe
"feministische" Botschaft verkündet.


Verteidigte Luise Pusch "früher" noch die "umständliche" Doppelbenennung mit dem Argument,
dass, "wo es um Menschenrechte geht, 'ökonomische' und Eleganz-Erwägungen keine Rolle spielen
sollten"
11, so heißt diese Botschaft nun - Menschenrechte hin oder her -, alle Hinweise auf
Männlichkeit auszumerzen, wo immer es nur geht: Denn die neue Welt ist weiblich.
Nur noch in ihrer Fantasie sind hier Männer "Bürgerinnen erster Klasse" und meinen, "die besseren
Mathematikerinnen"
zu sein. 12
In dieser Welt haben dann selbst Silben keinen Platz mehr, die auch nur im entferntesten an
Männlichkeit erinnern. Und da die Silbe -er auch im verallgemeinernden Pronomen "wer" steckt, wird
dieses kurzerhand zu "wie" feminisiert:
"Wie glaubt, sie sei mit 'wer' gemeint, die irrt sich aber!" 13 - Was schert frau sich auch um
Verständlichkeit, wenn es darum geht, der Männerwelt den Garaus zu machen!


Bei einer so rasanten, im Selbstlauf weiterschreitenden Radikalisierung wundert es auch nicht mehr,
dass selbst die offensichtliche Ähnlichkeit zu pubertärem Verhalten einer Luise Pusch nicht mehr
peinlich ist.
Pubertierende pflegen sich von der Erwachsenenwelt abzugrenzen, indem sie ihre eigene
Jugendsprache schaffen. Von Erwachsenen nicht verstanden zu werden, wird hier nicht in Kauf
genommen, es ist vielmehr der eigentliche Zweck in diesem Prozess der Selbstfindung zu eigener
"Identität".
Wie es scheint, hat diese Spielart des "Feminismus" ihre pubertäre Phase aber noch lange nicht
überwunden.


13
In einem Vorgriff auf spätere Analysen sei auf Folgendes verwiesen:
Hier wird deutlich, dass das oben angesprochene Postulat eines angeblichen "Rechts auf Sichtbarkeit"
durch Anatol Stefanowitsch 14 auch nicht - wie suggeriert - aus dem Grundgesetz oder
gesetzgeberischer Gewalt resultiert. Er leitet sie vielmehr aus einer quasi "revolutionären" Allgewalt
ab, die - nicht nur von ihm - einer Luise Pusch zugebilligt wird:
"Die Radikalversion der feministischen Kongruenzregel revolutioniert spielend das gesamte
ehrwürdige System der deutschen Wortbildung. Auf der Ebene der Sprachpolitik leistet sie ähnliches
wie spektakuläre feministische Aktionen: Sie sichert uns einen hohen Aufmerksamkeitswert, indem sie
für unüberseh- und hörbare weibliche Präsenz sorgt."
15


Unverblümt wird hier der eigentliche Zweck der geforderten radikalen "Sprachreform"
ausgesprochen: Sprache hat nichts mehr mit gegenseitiger Verständigung zu tun. Sie dient lediglich
als Mittel zum Zweck der Propaganda,
realisiert in Form der Erhöhung des "Aufmerksamkeitswerts"
für die eigene, "feministische" Weltsicht.
Und zu diesem Zweck erscheint der Gendern-Bewegung auch die sprachliche Enteignung einer
ganzen Sprachgemeinschaft
durch eine selbsternannte "Elite" gerechtfertigt. Und dabei werden
durchaus auch totalitäre Tendenzen sichtbar.


Besser als hier von der eigenen Kronzeugin kann auch die verlogene pseudo-linguistische Begründung
von Anatol Stefanowitsch, ebenso die Behauptung der Gendern-Bewegung von der Notwendigkeit
einer "Sprachreform" zum Zweck der "Sensibilisierung für Gender-Gerechtigkeit" nicht entlarvt
werden.
Eine Selbstentlarvung, die auch bei der späteren Bewertung der gegenwärtigen Praxis des Genderns in
Gegenüberstellung von Anspruch und Wirklichkeit zu berücksichtigen sein wird.


Die Mittel von Propaganda, die das Blaue vom Himmel versprechen, sind bekannt.
So verwundert es nicht, wenn auch Luise Pusch schließlich quasi den geraden Weg in das
"feministische" Paradies auf Erden verkündet.
Und auf diesem "revolutionären" Weg bedarf es nicht einmal beschwerlicher Auseinandersetzung mit
der realen Welt. Er erfordert allein die Anwendung ihrer "feministischen Kongruenzregel" durch "die
Frau"
- mit der ihr eigenen "radikalfeministischen Verve", versteht sich. (Hervorhebungen von Luise
Pusch
):
"Endlich beginnt sie selbst zu sprechen, die Welt zu ordnen und zu benennen nach ihrem Maßstab. Sie
bezeichnet sich selbst und andere Frauen nicht mehr mit einem Maskulinum. Die Feministische
Kongruenzregel etabliert eine neue Harmonie. Mit der sanften Gewalt des Wassers unterspült sie die
Fundamente der Sprache des Patriarchats und damit des Patriarchats selbst.
Eine Welt, die mit beiden Geschlechtern kongruiert (harmoniert), wird eine humane Welt sein."
16


Die Assoziation zum Schöpfungsbericht (Genesis, Kapitel 1, Vers 28) mit der Aufforderung von Gott
an die Menschen "Macht euch die Erde untertan!" ist wohl nicht zufällig. Nicht nur die eingangs
aufgezeigte Faszination der Luise Pusch vom Schöpfungsbericht spricht dafür. Auch in der
"feministischen" Uminterpretation des patriarchalen Gottesbildes zur "Göttin" ist in Ansätzen die hier
erkennbare Phantasmagorie schon angelegt.
Wie sich in der Bibel der Mensch die Welt "nach seinem Bilde" schafft, so wird nun die zu errichtende
Gegen-Welt zum Patriarchat neu erschaffen, durch "radikale Feministinnen", und "nach ihrem
Maßstab" - und das allein durch die subversive Kraft einer radikal veränderten, "feminisierten"
Sprache!


14
Marx ist von gestern. Mit ihm auch das Bestreben um Veränderung der Welt, das sich auf ihn beruft,
das zunächst das Verstehen dieser Welt in ihrem So-Sein und dann die Auseinandersetzung mit ihr zur
Voraussetzung hat.
Das "wahre" künftige Paradies wird an "feministischen" Schreibtischen und in Redaktionsstuben von
Frauenzeitschriften geschaffen, den neuen Zentren des "wahren Humanismus".


Von der hier nun augenfällig werdenden Hybris abgesehen:
Die derart im mythologischen Rekurs geschaffene "schöne neue Welt" der Luise Pusch wäre freilich
nicht nur einer Realitätsprüfung zu unterziehen.
Es geht auch um die grundlegende Frage der Bewertung eines solchen Weges, auch in ethischmoralischer
Hinsicht: Nicht umsonst ist der mit "Schöne neue Welt" betitelte Roman von Aldous
Huxley
- neben "1984" von George Orwell - als herausragendes Beispiel negativer Utopie bekannt.

 


Zu einfach wäre es, diese Phantasmagorie einer Luise Pusch - welche ja auch die einer ganzen, neben
den USA auch in Deutschland verbreiteten Spielart des "Feminismus" ist - als "märchenhaft" abzutun.
Denn einen solchen Vergleich hätten Märchen nicht verdient:
Im Gegensatz zu diesen ist dem Märchenautor sehr wohl bewusst, dass seine Märchen nicht
Wirklichkeit ersetzen, dass sie vielmehr Wirklichkeit interpretieren, in einer ungewöhnlich
erscheinenden Weise: Indem sie auch unbewusste (Traum-)Sphären mit in die Betrachtung
einbeziehen, die gewöhnlich dem Bewusstsein entzogen sind, indem sie psychologische Realität in
symbolischer Form abbilden, gewinnen Märchen überzeitliche Bedeutung.
Dies wird auch in einer Vielzahl von psychoanalytischen Interpretationen von Grimms Märchen durch
den Psychoanalytiker und Theologen Eugen Drewermann deutlich. 17


Dies wissend, käme kein Leser von Märchen auf die Idee (sofern er sie nicht als bloße Geschichten für
Kinder abtut), einen Märchenautor des Realitätsverlusts zu bezichtigen.
Ein Vorwurf, der hier aber sehr wohl im Raume steht.

 


Welche interpretatorische Kraft der Fiktion von Märchen innewohnen kann, hat der Schweizer Autor
Peter Bichsel in der Kurzgeschichte "Ein Tisch ist ein Tisch" gezeigt, die wie eine Voraussage des
Schicksals einer solcher Phantasmagorie erscheint:
Ein alter Mann beginnt aus Langeweile die Dinge seines täglichen Lebens umzubenennen. Doch was
mit Kreativität und Spaß begann, endet in Isolation und Vereinsamung:
"Der alte Mann im grauen Mantel konnte die Leute nicht mehr verstehen, das war nicht so schlimm.
Viel schlimmer war, sie konnten ihn nicht mehr verstehen. Und deshalb sagte er nichts mehr. Er
schwieg, sprach nur noch mit sich selbst, grüßte nicht einmal mehr."


Es erscheint nicht überflüssig, kurz die wesentlichen Elemente dieser Kurzgeschichte aufzuzeigen:
Sprache verleiht in ihrer Funktion des Benennens ("Denotation") dem Menschen Macht über die
Dinge, die ihn umgeben: Er löst sie mit der Bezeichnung aus ihrem Kontext heraus, macht sie
begrifflich handhabbar und befreit sich so selbst aus seiner Abhängigkeit.
Zugleich aber ist Sprache in ihrer kommunikativen Funktion das mit Abstand bedeutendste Bindeglied
zwischen dem einzelnen Menschen und der Sprachgemeinschaft. Dies aber nur, solange die
Kommunikationsfähigkeit untereinander erhalten bleibt. Die einzelnen Mitglieder einer
Sprachgemeinschaft haben daran teil. Doch dies verleiht ihnen nicht die Macht über die Sprache
selbst, noch haben sie als einzelne ein "Recht", diese zu verändern.


15
Der entscheidende Irrtum des "alten Mannes" in der Kurzgeschichte ist, seine Teilhabe an der Sprache
mit Macht über sie zu verwechseln. Und indem er seine Macht über Dinge ausdehnen will auf die
Sprache, indem er seine "eigene" Sprache schafft, verliert er notwendiger Weise zugleich den Kontakt
zu den Menschen: Er isoliert sich selbst.


So verweist diese Kurzgeschichte auch auf den entscheidenden Trugschluss einer Luise Pusch, wie
auch der ihr nacheifernden "feministischen" Zirkel - und damit wohl auch weitgehend der Gendern-
Bewegung: Ihre elitäre Selbstüberhebung, ihre Anmaßung, Sprache im Alleingang, gegen die
Sprachgemeinschaft oder zum Zwecke ihrer Belehrung zu beherrschen und nach ihrem Bilde
verändern zu können und zu dürfen
, schlägt auf sie selbst zurück: Dies ist Ausdruck des eigenen
Eskapismus und führt zugleich weiter in die Selbstisolation hinein.

 


So verbleibt in diesem Abschnitt letztlich noch die Frage der Bewertung dieser Spielart des
"Feminismus".
Dazu sind bereits verschiedentlich Elemente aufgezeigt worden:
So ist "Selbstisolation" als Merkmal und Ergebnis eines pubertär erscheinenden "Feminismus" in der
vorab beschriebenen Weise in zweierlei Hinsicht zu verstehen: historisch als Isolation von der
"älteren" Frauenbewegung, geografisch und aktuell als Isolation von internationalen
Emanzipationsbewegungen
weltweit und vor allem in Europa.


Zur Selbstisolation in historischer Hinsicht:
Unter "Vorbemerkung" wurde hier die "Definition" von "Feminismus" nach Luise Pusch zitiert:
"Feminismus ist die Theorie der Frauenbewegung."
Diese "Definition" erscheint nun, im Nachhinein geradezu als Beleidigung der älteren
Frauenbewegung: in ihrem Kampfeswillen, aber auch ihrem Realismus und damit mit ihren
Verdiensten: Zwischen "Theoriebildung" und Selbstergötzung in sprachlichen Exzessen besteht ein
himmelweiter Unterschied. Und sich anhand reichlich lächerlicher Beispiele selbst als "legitime"
Erben dieses verdienstvollen Feminismus einzusetzen, das bestätigt nur den oben vermuteten
Realitätsverlust.


Zur Selbstisolation in der Gegenwart:
Dieser Aspekt bezieht sich nicht nur auf die Isolierung gegenüber der Sprachgemeinschaft insgesamt,
sondern auch gegenüber anderen Emanzipationsbewegungen und realistischen Erscheinungsformen
des Feminismus, vor allem in Europa.


Für diese steht etwa die französische Feministin Elisabeth Badinter. Diese kritisiert vehement einen
rückwärtsgewandten "Feminismus" amerikanischer Prägung, der "die komplexe Wirklichkeit
übersieht"
. Und der mit der Vorstellung einer "in Mann und Frau gespaltenen Menschheit (...) bald
wieder auf die längst überholte Definition der weiblichen Natur zurück führt"
. 18
Inspiriert von Simone de Beauvoir, vertritt sie jene Richtung des Feminismus, welche die Gleichheit
der Geschlechter und den Universalismus betont. Sie setzt sich für Menschenrechte ein und kämpft für
Frauenrechte in der Realität. Denn "...durch die Gleichheit der Geschlechter hört der Kampf zwischen
ihnen auf und macht einem gegenseitigen Verständnis und Vertrautheit Platz."
19


Universelles Denken, das längst auch von deutschen Feministinnen und Linguistinnen geteilt wird. So
von Nele Pollatschek, wenn sie betont:
"Der Weg zu Gleichheit ist Gleichheit. Wer will, dass Männer und Frauen gleich behandelt werden,
der muss sie gleich behandeln und das heißt, sie gleich zu benennen." 20


16
Der hier angesprochene Rückfall in Geschlechterkampf-Kategorien ist bei Luise Pusch und den von
ihr zitierten Vertretern und Vertreterinnen des "Feminismus" der 80er Jahre in Deutschland mit
Händen zu greifen.
Doch nicht nur das. Auch theoretisch diskreditiert Luise Pusch sich selbst, wenn sie behauptet
(Hervorhebung von Luise Pusch):
"Erstens ist Sprache, Sprechen, sprachliches Handeln heute wohl der zentrale Bereich dessen, was so
'Realität' genannt wird, zweitens hat nie eine feministische Sprachkritikerin behauptet, nur die
Sprache ändern und den Rest dem gewöhnlichen patriarchalischen Lauf der Dinge überlassen."
21
Denn zum ersten ist eine derart diffuse Vorstellung des Verhältnisses von Sprache und Wirklichkeit
einer ehemaligen Linguistin unwürdig, und zum zweiten sind die Belege für ihr reales Wirken wie
auch von den von ihr zitierten Sprachfanatikerinnen nicht gerade Legion.

 


Nun sind seither freilich 40 Jahre vergangen - Zeit genug für Nachdenken und gründliche Reflexion.
Das aber setzt Bereitschaft und Fähigkeit zu selbstkritischer Reflexion voraus.
Eine Tugend, die allerdings auch bei Aktivisten und Aktivistinnen der gegenwärtigen Gendern-
Bewegung nicht zu beobachten ist.
Hier sei aber in dieser Hinsicht kein voreiliges Urteil gefällt.
Die Beurteilung der aktuellen Formen der Gendern-Bewegung sei vielmehr einer gründlicheren
späteren Analyse und einer darauf aufbauenden begründeten Beurteilung überlassen.


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Anmerkungen:


1 Ebd., S. 69-75
2 Ebd., S. 69
3 Ebd., S. 71
4 Ebd., S. 73
5 Ebd., S. 70
6 Ebd., S. 70
7 Ebd., S. 74 f.
8 Ebd., S.104 f.
9 Ebd., S. 33
10 Ebd., S. 105
11 Ebd., S. 96
12 Ebd., S. 97
13 Ebd., S. 91
14 siehe Stefanowitsch, Teil I, Fußnote 16
15 Ebd., S. 106
16 Ebd., S. 107
17 Zu den bekanntesten dieser psychoanalytischen Interpretationen gehören Aschenputtel, Dornröschen,
Hänsel und Gretel, Der Wolf und die sieben Geißlein, Rapunzel
.
Der Verfasser dieser Analyse hat Eugen Drewermann persönlich kennengelernt und, ihm, nach einem
längeren Gespräch über die Interpretation des Märchens "Marienkind" (in der eine kritische Position zum
"Mariendogma" der römisch-katholischen Kirche erkennbar ist), den dritten Band seiner Roman-Trilogie
"Maria" (Untertitel: Bilder und Märchen für Erwachsene aus der Mitte des 20. Jahrhunderts) gewidmet.
18 Élisabeth Badinter, "Fausse Route", 2003, deutsch: "Die Wiederentdeckung der Gleichheit. Schwache
Frauen, gefährliche Männer und andere feministische Irrtümer"
, 2004
19 Élisabeth Badinter, "L'un est l'autre" (1986), deutsch: "Ich bin Du"
20 https://www.tagesspiegel.de/kultur/deutschland-ist-besessen-von-genitalien-gendern-macht-diediskriminierung-nur-noch-schlimmer/26140402.html
21 Das Deutsche als Männersprache, S. 83

 


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Teil III. Linguistische Analyse: in Vorbereitung


III. Zur vermeidbaren "Maskulinisierung der Frauen"
durch die deutsche Sprache

 

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