Werner Engelmann
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Vorhang zu -

und alle Fragen offen

 

 

 

 

 

"Wir müssen unser Wissen zurücknehmen", fordert das Genie Möbius von Newton und Einstein in Dürrenmatts Drama "Die Physiker", erschrocken über die Explosionskraft ihrer Gedanken.

Im Drama wird dieser Gedanke ad absurdum geführt, indem der vermeintliche Ausweg, selbst der Rückzug in ein Irrenhaus, geleitet von einer größenwahnsinnigen Irrenärztin, in die Katastrophe führt.

 

In der Wirklichkeit ist es das Internet, das diesen Ausweg verbaut: Das Internet vergisst nie. Eine Rücknahme einmal veröffentlichten Wissens ist nicht möglich - es sei denn, durch Zensur.

 

Doch, indem es die Büchse der Pandora öffnet, Missbrauch in jeder Form ermöglicht, trägt das Internet auch zur Demokratisierung der Medien bei. Die politische Kontrolle, die ihnen als vierter Gewalt zukommt, wird nicht mehr allein von Journalisten ausgeübt.

Zahllose Leser sind als Online-User und Kommentatoren daran beteiligt. Durch Herstellung von Öffentlichkeit tragen auch sie zu Transparenz politischer Prozesse bei.

 

Der Forderung nach Transparenz zu genügen und zugleich Missbrauch, in Form etwa von Hassbotschaften, Fake-News, rassistischen oder antidemokratischen Exzessen usw., zu verhindern ist nicht leicht. Das gilt für öffentlich-rechtliche wie für private Medien.

 

Doch dieser Herausforderung müssen Zeitungsmacher sich stellen, Moderatoren von Online-Foren im Besonderen.

Ihr zu entkommen ist nicht möglich. Auch, durch Rückkehr zu einem Herr-im-Hause-Standpunkt die Kontrolle (wieder) herstellen zu wollen, ist kein akzeptabler Ausweg.

Öffentliches Interesse durch den Filter privater Sichtweisen oder Interessen einschränken zu wollen, das widerspricht dem Auftrag an eine demokratische Presse. Und durch willkürliche oder undurchsichtige Löschung von Beiträgen oder ganzer Kommentarteile wird eine Netiquette zur Farce.

 

Und gegebenenfalls ist auch privates Engagement gefragt: in Form öffentlich vorgetragener und verantworteter Kritik.

Wie mit dieser Website.

 

In den voranstehenden Teilen dieser Rubrik "FR-Forum, Kommentare" werden viele Beispiele genannt, belegt und diskutiert, die Fragen und Bedenken betr. den weiteren Weg einer renommierten und verdienstreichen liberalen Zeitung - zumindest in ihren Kommentarteilen - aufwerfen.

 

In den Monaten darauf folgte ein Briefwechsel, in dem seitens der Moderation nicht einmal auf die Fragen eingegangen wurde, geschweige denn ein ernsthafter Dialog entstehen konnte.

Im Gegenteil: Als Strafaktion wurden dem Autor dieser Zeilen und mit deutlichem Verweis auf den vorliegenden Teil der Website "die Schreibrechte" im FR-Forum "dauerhaft" entzogen - bevor einige Wochen später die Kehrtwende erfolgte.

Auf Unterstellungen und Verunglimpfungen persönlicher Art oder Drohungen an dieser Stelle einzugehen, die von der eigentlichen Problematik wegführen, ist im Interesse des oben formulierten Anliegens aber wenig hilfreich und sogar kontraproduktiv.

Daher sei hier auf eine entsprechende Dokumentation verzichtet.

 

Es geht um die Sache, insbesondere um die Abwehr von rechtsradikalen Einflüssen resp. Rechtfertigungen menschenverachtender oder demokratiefeindlicher Praktiken. Die diesbezüglichen Bedenken haben sich seit Eröffnung dieses Teils der Website eher verstärkt.

 

Eine bloße Dokumentation solcher Vorgänge erscheint jedoch nicht ausreichend. Und es genügt auch nicht, die Beobachtung allein auf eine Zeitung zu konzentrieren, wenngleich dabei der Frankfurter Rundschau, vergangenen Verdiensten entsprechend, aus der Perspektive eines engagierten Lesers, weiterhin eine besondere Rolle zukommt.

 

Es geht auch darum, Wege zur Bewältigung der eingangs genannten Herausforderungen im Zeitalter weltumspannender digitaler Kommunikation aufzuzeigen - sei es in Form kritischer Erörterung aktueller Tendenzen, sei es in Form persönlicher Zeugnisse und Berichte.

 

"Vorhang zu - und alle Fragen offen" - so formulierte Bert Brecht seine Betroffenheit im Epilog des Stücks "Der gute Mensch von Sezuan".

Das "Welttheater" ist nicht nach einem Stück beendet. Um auch nur annähernd zu begreifen, ist es erforderlich, dass der Vorhang sich immer wieder aufs Neue hebt: um in Eindrücken, Betrachtungen und anderem mehr immer neue Teile davon zu thematisieren, zu einem Puzzle zusammenzusetzen und neue Erkenntnisse zu gewinnen.

 

Diesem Zweck dient die Eröffnung neuer Kommentarseiten - unter der Rubrik "Zur Diskussion" oder unter anderen noch zu eröffnenden Sparten.

Hier werden in nicht spezifizierter Form und zeitlicher Reihenfolge themenspezifische Erörterungen und Kommentare des Betreibers dieser Website veröffentlicht.

 

Und es soll darüber hinaus auch Gästen die Gelegenheit geboten werden, ihre persönlichen Erfahrungen, Überlegungen oder Beiträge im Zusammenhang der Thematik der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

Voraussetzung dafür ist die Respektierung der genannten Netiquette sowie der rechtlichen Vorgaben bez. Datenschutz und Urheberrecht. Als Hilfe sind entsprechende Informationen angeboten.

Weitere Vorgaben, insbesondere inhaltlicher Art, gibt es nicht.

 

Werner Engelmann, 12.8.2020

 

 

 

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